Den Canal du Midi mit dem Fahrrad entlangVon Toulouse nach Sète in Südfrankreich auf Rad- oder Treidelwegen
Ab Toulouse geht es an Europas vielleicht schönstem Kanal entlang. Am Canal du Midi kann man auf flacher Strecke und meist leicht abwärts radeln bis Sète ans Mittelmeer.
Der Kanal ist ein Meisterwerk der Baukunst und verdient, dass einiges darüber gesagt wird. 64 Schleusen hat der Traum des Pierre Paul Riquet, der Ende des 17. Jahrhunderts Atlantik und Mittelmeer miteinander verbinden wollte: Der 240 Kilometer lange Canal du Midi. 350 Bauwerke, davon 64 Schleusen, zahllose Brücken, Aquädukte und Überlaufbecken, die erstmals in der Geschichte mit einem hydraulischen System betrieben wurden, säumen seinen Weg. Nicht umsonst wurde der königliche Kanal des Languedoc, Canal Royal du Languedoc, wie er auch genannt wird, 1996 unter den Schutz der UNESCO gestellt. Ein kolossales Projekt, mittels Canal du Garonne, eines Seitenkanals zur Garonne, wurde der Traum, die beiden Meere zu verbinden, im Jahre 1856 Wirklichkeit. Und damit wurde er, zumindest heutzutage, auch zu einem Traum für Radfahrer, denn auf angelegten Radwegen oder aber den einstigen Treidelwegen, die für die Ochsen angelegt wurden, die die Schiffe flussaufwärts zogen, kann man heute bequem mit dem Rad fahren. Start des Radwegs am Canal du Midi in ToulouseAm Startpunkt Toulouse kann es sein, dass man gleich mitten hinein gerät ins fête de vélo, Fahrradfest, das jeden ersten Sonntag im Monat stattfindet. Im Hof des wunderschönen Rathauses, das wie fast alles hier aus rötlichen Backsteinen gebaut ist, befindet sich ein Fahrradständer. Aufgrund seiner Bauten aus rötlichen Steinen wird Toulouse von den Einheimischen auch „ville rose“ genannt, die rosafarbene Stadt. Abends leuchtet sie im Sonnenuntergang. In der romanischen Cathédrale Saint-Étienne, von innen wie außen gleichermaßen verwirrend, da ein Konglomerat verschiedener Gebäudeteile aus verschiedensten Epochen, befindet sich unter einer weißen Marmorplatte das Grab Pierre Paul Riquets. Ihm sollte man noch einen Besuch abstatten, bevor man ab dem Gare Matabiau, dem Bahnhof von Toulouse, dem Radweg entlang seines Jahrhundertwerks folgt. Bis Port-Lauragais fährt man ganz bequem auf einem geteerten Radweg, oder man entscheidet sich für den parallel verlaufenden Treidelweg. Bis Castelnaudry säumen Sonnenblumenfelder den Weg. Welch gelbe Pracht, die ihre Köpfe stets der Sonne zuwendet. Und dort, in Castelnaudry sollte man Cassoulet probieren, der Hunger ist schließlich garantiert. Wie man sich überhaupt entlang des Wegs an der „Art de Vivre“ erfreuen kann: ein Gläschen Wein aus Carbadès vielleicht in einem der Weinkeller? Oder die leckeren Wurstwaren aus der „Montagne Noire“? Selten nur muss man das Ufer wechseln, aber zum Beispiel an den Schleusen von Saint Roch, geht’s auf der Straße über eine Brücke und linkerhand weiter. Oft lässt sich bei einem der Schleusenwärterhäuschen mit integriertem Restaurant eine Pause einlegen. Man serviert lokale Spezialitäten zum günstigen Preis. Über Carcassonne und Narbonne führt die Radroute weiterSchließlich erreicht man Carcassonne, wodurch der älteste Kanal Europas eigentlich gar nicht verlaufen sollte, doch man hatte die Rechnung ohne die Bürger der Stadt gemacht! Carcassonne ist ein mittelalterliches Städtchen mit der wohl mächtigsten mittelalterlichen Doppelwehranlage Europas (UNESCO-Weltkulturerbe). Der Wind pfeift darüber hinweg. Ist das nun der vent d´autan oder der Tramontane? Zur Linken lassen sich die Weinreben des Languedoc bewundern, zur Rechten winkende Hobby-Hausbootkapitäne. Landratten auf dem Wasser, meint einer, sähen den Kanal sicher anders als Radfahrer aus der Speichenperspektive. Wolkenfetzen jagen über den Himmel. Der ist ein schmales blaues Band zwischen dem grünen Dach links und rechts. Die Freizeitschipper gleiten schätzungsweise halb so schnell dahin wie die Radfahrer. Narbonne, Hauptstadt der romanischen Antike, mit Erzbischofspalast und gotischer Kathedrale und römischen unterirdischen Speicheranlagen ist auf jeden Fall einen ausgedehnten Stopp wert. Weiter geht’s Richtung Béziers, wo Pierre-Paul Riquet geboren wurde, und das Kanalwasser führt durch einen Berg hindurch. Diese Gewölbe zu stützen dürfte nicht leicht gewesen sein. Schließlich war dies der erste Kanaltunnel, der jemals geschlagen wurde. Auch Béziers ist ein hübsches Städtchen mit Kathedrale, wunderschöner Altstadt, Kathedrale und römischer Brücke. Ende des Radwegs am Canal du Midi im südfranzösischen Sète am MittelmeerBei Agde durchschneidet ein Bach den Kanal der zwei Meere: der Libron, und eine Art Hochwasserduchlass erweckt das Interesse. In Agde selbst gibt es gar eine runde Schleuse. Die einst griechische Siedlung ist ein reizendes Städtchen mit einer romanischen Wehrkirche aus Basaltgestein. Nebenan liegt die Hafen- und Fischerstadt Sète, vor der der Canal du Midi ins Mittelmeer mündet. „Venedig des Languedoc“ wird sie auch genannt und ist von Wasser umschlungen: Vom Canal natürlich, von weiteren, kleinen Kanälen, vom Binnensee Etang de Thau, und vom Meer. Eine Insel? So kommt man ins Träumen. Da vorne glitzert es bläulich: „La mer,...“ möchte man singen, wie einst Charkes Trenet in seinem berühmten Chanson.
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